Wie sieht eine irische Tracht aus?

Wird die irische Tracht heute noch getragen? Eine weitverbreitete einheitliche irische Tracht hat es wahrscheinlich nie gegeben. Eine irische Tracht lässt sich nicht wie Dirndl und Lederhose klar definieren. Es ist sicher, dass die Fischer an der Westküste Irlands Wollpullover oder Aranpullover trugen, dazu weit geschnittene Wollhosen und großformatige irische Schlägermützen aus einem gewebten Wollstoff. Die Kleidung der Frauen bestand aus Wollpullovern oder Strickjacken und vor allem großen Wollumhängen, genannt Shawls.

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Irische Wolle, ob gestrickt oder gewebt, war wichtig für die Herstellung der Bekleidung. Gegen das wechselhafte, oft sehr raue irische Klima bot irische Wollbekleidung optimalen Schutz, Langlebigkeit und hohen Tragekomfort. Ob für Fischer oder für den irischen Bauern musste die Bekleidung warm, robust und bequem sein. Grandfather Hemden aus Baumwollflanell waren natürlich bei der Landbevölkerung Irlands sehr beliebt. Diese Hemden, liebevoll Grandies genannt, mit dem kleinen Stehkragen und verlängertem Rückenteil waren bestens geeignet für die Arbeit auf dem Felde. Dasselbe gilt für Regenbekleidung aus gewachster Baumwolle, Wachsjacken, Wachswesten und Wachshüte, oft Ölzeug genannt.irische tracht peaked wollmuetze

Man erkennt schon an Aran Sweater, Grandfather Hemd und Wachsjacke, dass die irische Tracht maßgeblich durch das Klima und den damit verbundenen Arbeitsbedingungen geprägt wurde. Da ist die Frage berechtigt, ob irische Trachten einen Platz im aufstrebenden High-Tech-Land Irland hat. Die Antwort ist ganz eindeutig „JA“. Trotz Google, Facebook, Apple und Co, die alle mit Sitz in Irland ein Image des Landes als High-Tech-Centrum prägen, bleibt die Agrarwirtschaft für Irland sehr wichtig. Irische Butter, Irischer Whiskey, Beef, Lammfleisch, Lachs, Käse und das gute Guinness Bier bilden einen wichtigen Eckpfeiler des gesamten irischen Güterexports. Insofern dieser Wirtschaftszweig weiter besteht, lebt der damit verbundene Bekleidungsstil – wenn auch abgewandelt. Die schönen Wollhosen und typischen Knickerbocker trägt der irische Farmer selten, aber er greift weiterhin zu Grandfather Shirt, Wollpullover, Wachsjacke, Wollmütze oder Tweedcap. Tweedjackets und Tweedwesten, am liebsten aus Donegal und handgewebt, kauft man „für gut“ und trägt man dann doch jeden Tag, weil sie bequem, robust und schmutzabweisend sind. Die irische Tracht ist wandelbar und keiner strengen Reglementierung unterworfen. Form und Schnitt sind mit der Zeit gegangen, vielleicht ist das der Grund, warum irische Kleidung außerhalb Irlands so viel Beliebtheit genießt. Vielleicht aber auch, weil irische Auswanderer ihren Aranpullover im Gepäck hatten.

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Außerdem hat der Irland-Tourist nachweislich im großen Maße zur Verbreitung des irischen Kleidungsstils beigetragen. Aranpullover, Granddad-Hemden, Schals, Mützen und Handschuhe aus Wolle gehören zu den von Irlandbesuchern am häufigsten gekauften Artikeln. Es wundert daher nicht, dass Begriffe wie „Aran“, „irische Strickmuster“ oder Donegal-Tweed, weltweit für einen einzigartigen irischen Stil stehen und wie eine Marke für Qualität und Langlebigkeit bürgen. Witzigerweise erst durch die Entwicklung der irischen Tracht außerhalb Irlands erkannten viele Iren, vor allem die irischen Großstädter, was sie für einen Schatz beinahe verloren hätten. Als sich Irland anschickte, vermeintlich „modern“ zu werden, wurden die Bestandteile der irischen Tracht häufig als rückständig betrachtet.irische tracht beanie rotweis th

Heute, Auswanderern und Touristen sei Dank, sind Wollpulli und Tweedsakko in Dublin mindestens so beliebt wie im County Donegal. Somit kann man beruhigt sagen, dass die irische Tracht lebt. Hoch soll sie leben!!!

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